Thema Freies Reiten

Liebe Eltern

Warum werden die Kinder bei mir, IMMER und AUSSCHLIESSLICH geführt und warum arbeiten wir mit nur einem Pony?
Diese Frage möchte ich Ihnen gerne beantworten.
Schon mal kurz und knapp:
Zum Wohle Ihrer Kinder und der Ponys!

Aber Warum? Kinder im Miniclub Alter von 3-6 Jahren haben meines Erachtens noch nicht die Fähigkeit ein Pony selbstständig zu führen. Weder von unten als Führperson, noch im Sattel als Reiter. Natürlich gibt es schon bei vielen Kindern in diesem Alter die Fantasie ein Pony selbstständig und frei zu reiten, die Vorstellung dürfte allerdings ungefähr der gleichen, wie es ist ein Bobbycar, oder Laufrad zu fahren.
Um ein Pferd oder Pony sicher zu führen muss man gewisse Vorraussetzungen erfüllen. Zum Beispiel das Erkennen von Entfernungen, ein gutes Maß an Zeitgefühl und natürlich auch das Erkennen potentieller Gefahren. Dies erfordert einen gewissen „Pferdeverstand“ den man sich erst mit der Zeit aneignen kann. Hierzu gehört zum Beispiel die natürlichen Verhaltensweisen von Pferden/Ponys zu kennen und somit gewisse Reaktionen vorauszusehen.
Haben Sie schon mal ein Pferd/Pony geführt? Falls Sie Interesse haben es mal auszuprobieren sprechen Sie mich gerne an.

Das Tier am anderen Ende des Führstricks ist ein großes, selbstständig denkendes Lebewesen. Hinzu kommt, dass es sich bei Pferden und Ponys um Fluchttiere handelt! Was bedeutet das?
Pferde und Ponys reagieren auf ungewohnte, beängstigende Situationen häufig mit Flucht. Wenn sie eine potentielle Gefahr erkennen, die sie nicht einschätzen können, dann rennen sie erstmal, so schnell sie können, in eine andere Richtung. Nach einigen Metern, das können je nach Pferd und Situation zwischen 10 Metern und 500 Metern sein, bleibt das Pferd stehen und schaut sich nochmal nach der potenziellen Gefahr um. Erweist sich das Ganze als ungefährlich, ist die Situation erkannt und das Pferd/Pony geht wieder seiner Beschäftigung nach. Erweist sich die Gefahr aber als Bedrohung, wird die weitere Flucht veranlasst.
Alleine diese Tatsache macht Ihnen wahrscheinlich deutlich warum es wichtig ist, das das Pony von jemandem geführt wird, der weiß was er tut. Und hier kommt Punkt 2: Pferde und Ponys sind Herdentiere, das heißt, sie sind es gewohnt in einer Herde zu sein und sich an anderen Mitgliedern zu orientieren. Ich möchte nicht behaupten, dass Heidi und Rosi mich als Herdenmitglied ansehen, aber Pferde orientieren sich tatsächlich auch an ihren Besitzern und bei Fremden und kleineren Kindern fällt es den Ponys natürlich schwerer sich an ihnen zu orientieren und ihnen zu folgen.

Außerdem sind Pferde und Ponys ja nicht ganz „leicht“. Heidi und Rosi wiegen alleine ca. 250 kg, ein Grosspferd wiegt ca. 600 kg und ein Kaltblut bring mal schnell 800 kg auf die Waage. Jeder der schon mal mit einem großen Hund spazieren gegangen ist, weiß wie schwierig sich das ganze gestalten kann wenn nicht geklärt ist, wohin der gemeinsame Weg führen soll. Und ein großer Hund wiegt maximal 80 kg. Dass heißt allerdings nicht dass man körperlich stark sein muss um ein Pferd/ Pony zu führen.

Neben dem Gewicht, dem selbstständig denkenden Wesen, in dessen Natur es liegt bei Gefahr wegzulaufen, haben wir aber auch einen ausgesprochen sensiblen „Hellseher“ an unserer Seite, der uns einschätzen kann und sich gegebenenfalls an uns orientiert.
Pferde spüren jede noch so kleine Angst oder Unsicherheit bei uns Menschen, sie lesen unsere Körpersprache und reagieren dementsprechend. Das bedeutet wenn ein schüchterner, ängstlicher, großer Mann ein Pferd führen möchte, kann das weitaus unbeholfener aussehen als wenn ein selbstbewusstes, pferdeerfahrenes Mädchen mit 45 kg dies tut.
An diesem Beispiel sieht man dass das führen von Pferden oder Ponys, ob vom Sattel oder zu Fuß, nichts mit Kraft und Größe zutun hat, sondern mit Kompetenz.

Kinder im „Miniclub“ Alter haben sehr viel mit sich selbst zu tun, die Umgebung zu erkunden, Spielmaterialien ausprobieren, mit anderen Kindern zu kommunizieren, zu spielen, sich an anderen Personen zu orientieren.
Schon das „korrekte“ neben mir her laufen, beim Führen am Tandemstrick, bereitet vielen Kindern Schwierigkeiten, hinzu kommt, dass die Kinder den Führstrick in der aufrechten Hand halten sollen, wie ein Eis oder eine Blume. Das hat die Bedeutung das die aufrechte Handhaltung geschult werden soll. Denn genau die, wird beidseitig später auch beim Reiten benötigt! Jetzt müssen die Kinder beim gemeinsamen Führen also stets das Tempo von mir und dem Pony beachten, sie bemühen sich an unserer Seite zu bleiben, müssen gleichzeitig den Weg im Auge behalten, wo kommen wir her, wo wollen wir hin? UND sie sollen den Führstrick dabei immer noch korrekt in der Hand halten. All dies verlangt von so jungen Kindern schon eine ganze Menge Aufmerksamkeit und Konzentration. Ihnen dann noch die alleinige Verantwortung für das Pony UND dem darauf reitenden Kind zu übertragen ist in diesem Alter schlicht weg äußerst bedenklich. Zum Wohle Ihrer Kinder, werden die Ponys, BEI MIR, deswegen immer geführt.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sitzen in einem Flugzeug. Plötzlich erklärt Ihnen die Stewardess, dass der Pilot und der Co-Pilot leider ohnmächtig zusammen gebrochen sind.
Wie fühlen Sie sich in diesem Moment???

Bestenfalls sind Sie ausgebildeter Pilot und bringen das Flugzeug sicher auf den Boden!
Unsere Miniclub-Kinder sind aber noch keine gut ausgebildeten (Reiter) Piloten, die in kritischen Situationen körperlich und geistig dazu in der Lage sind, richtig zu reagieren. Bis das soweit ist und da muss man ehrlich und realistisch sein, brauchen die Kinder einige Reitstunden UND eine gewisse physische und psychische Reife, die die Kinder in diesem Alter einfach noch nicht mitbringen!
Auch das Gefühl dass Sie haben, wenn man Ihnen mitteilt dass das Flugzeug leider „führungslos“ ist und abstürzen könnte, kennen Kinder in diesem Alter übrigens noch nicht, sie haben noch wenig Vorstellung davon was gefährlich werden kann und was nicht, deswegen trauen sich Kinder im Umgang mit Pferden und Ponys oft (zu) viel zu, stoßen dabei aber schnell an ihre Grenzen. Kinder sollen auch genau diese Erfahrungen machen, sich und das eigene Können einzuschätzen und auszuprobieren. Dies sollte aber IMMER in einem sichereren Rahmen statt finden.

Warum haben die Kinder keine Zügel?

Kleine Kinder im Hippolini Miniclub Alter haben von Natur aus noch ein großes Bedürfnis sich festzuhalten, von Babys und Kleinkindern kennen wir den „Greifreflex“ und wenn wir eine Affenmutter mit ihrem Jungen sehen wissen wir, wie stark so ein Greifreflex ausgeprägt sein kein.
Beobachten Sie ihr Kind und die anderen Kinder mal genauer! Wie viele halten sich an den Griffen fest, wie fest werden die Haltegriffe umfasst? Besonders im Trab kann man erkennen wie viel Anstrengung es die Kinder kostet, sich gerade am Pferd zu halten und nicht seitlich runter zu rutschen. Die Haltegriffe werden fest umklammert, teilweise auch noch verkrampft festgehalten.
Der Sinn von Zügeln ist die leichte und feine Verbindung zwischen Reiter und Pferd/Pony. Die Zügelhilfe dient wie die Gewichts- und die Schenkelhilfe der Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. Jeder Reiter ist bestrebt eine vom Sitz unabhängige, leichte und feine Zügelführung zu haben. Das heißt an den Zügeln soll nicht gezogen werden und auf gar keinen Fall sind sie dazu da, sich daran festzuhalten. Wenn Sie sich jetzt ihre jungen Kinder einmal im Trab mit Zügeln in den Händen vorstellen, wird Ihnen schnell klar, dass da von feiner, leichter Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul keine Rede sein kann. Um später mal eine feine Zügelführung zu haben, benötigen wir einen sicheren, ausbalancierten Sitz und daran arbeiten wir in jedem Miniclub!
Professor Dr. Holger Preuschoft, hat mal ermittelt wie viel Kilogramm bei einem Erwachsenen, gut ausgebildeten Reiter durch die Zügel und das Gebiss, auf das Pferdemaul wirken! Es sind bestenfalls zwischen 2 und 15 Kilogramm. Bei diesen Zahlen kann man sich ausrechnen was Zügel in den „falschen Händen“ anrichten können. Zum Wohle der Ponys bekommen die Kinder, in diesem Alter, BEI MIR, deswegen noch keine Zügel in die Hand. Sie haben dafür erstmal die Möglichkeit sich tragen zu lassen und einen sicheren, ausbalancierten Sitz zu erlernen.